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(Wieder) in die Kirche eintreten

dazu gehören Warum in der Kirche sein?

Es gibt Menschen, die sagen: An Gott glauben kann ich auch ohne Kirche. Vielleicht kann man das - aber wie konkret und wie lebensfreundlich kann ein solcher Glaube "im luftleeren Raum" sein? Sicher ist die Kirche Jesu Christi nicht deckungsgleich mit den Mitgliederkarteien der großen christlichen Konfessionen. Dennoch gilt: Der christliche Glaube will sichtbar vertreten und gelebt sein. Und es gehört zu seinem Wesen, dass er die Gemeinschaft mit anderen Christen braucht. Dafür ist die Kirche da. Damit die Wahrheit des Glaubens einen Raum hat in unserer Gesellschaft. Dort erleben Menschen die befreiende und versöhnende Kraft des Glaubens. Dort erleben sie, dass sie auch mit Fragen und Zweifeln und auch mit Versagen dazugehören. Denn die Kirche ist ja nicht der "Verein der besseren Menschen". Es spricht gar nicht gegen die Kirche, dass es in ihr auch manchmal menschlich-fehlerhaft zugeht. In ihr versammeln sich Menschen, die um die eigene Schwäche wissen und sich ihre Stärke immer wieder von Gott schenken lassen.

Nicht um die selbstgefällige Pflege des eigenen Seelenlebens geht es in der Kirche - der Glaube ermutigt zum Handeln. Gottes Liebe befähigt zur Nächstenliebe. Darum ist es kein Zufall, dass die Kirchen, solange es sie gibt, eine außerordentlich vielfältige und umfangreiche Sozialarbeit betreiben. Die ist heute eingebunden in die Angebote des Sozialstaates, aber darin ist sie unverzichtbar und unverwechselbar. "Diakonie" heißt die soziale Arbeit der evangelischen Kirche und das bedeutet "Dienst". Dass sich Christen nicht scheuen, vom "Dienst  am Nächsten" zu sprechen (und ihn zu praktizieren), ist ein wichtiges Signal gerade in Zeiten, in denen viele nur vom eigenen Vorteil reden und die Ellenbogen zu den wichtigsten Körperteilen zu werden drohen.

Glaube ermutigt zum Handeln. Auch zum aktiven Einsatz für mehr Gerechtigkeit, für Versöhnung und Frieden, für die Bewahrung von Gottes Schöpfung. Wer sich in den 631 Gemeinden der westfälischen Kirche umschaut, wird merken, wie viele Gruppen dort zu finden sind, die sich mit solchen Themen beschäftigen. Mit viel Engagement und langem Atem. Immer wieder gibt es Menschen, die nach eigenem Bekunden mit der Kirche "eigentlich nichts am Hut hatten", die auf diesem Weg wieder eine Verbindung zu ihrer Kirche gefunden haben. Das Schöne daran ist, dass solches Engagement (gerade auch das ehrenamtliche) kein auferlegter Zwang ist. Die Freiheit eines evangelischen Christenmenschen lässt Raum für Vielfalt und Verantwortung, für entschieden-aktives Handeln und für fragende Zurückhaltung.


Ein neuer Anfang

Wir können jeden Tag neu anfangen. Von dieser Überzeugung lebt der evangelische Glaube. Wir können neu anfangen. Mit Gott und mit der Kirche, mit den anderen und mit uns selbst. Gott schenkt neue Hoffnungen, sein Geist befreit zum Leben und ermutigt zur Liebe. In der Liebe ist der Geist Gottes gegenwärtig. "Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit", schrieb Paulus in seinem zweiten Brief an die junge Gemeinde in Korinth. Das gilt auch im Blick auf die Kirchenmitgliedschaft. Sie haben die Freiheit, wie Sie Ihre neu erworbene Kirchenmitgliedschaft konkret ausgestalten.

Jede Gemeinde freut sich natürlich, wenn Sie rege am Gemeindeleben teilnehmen. Aber Sie sind nicht weniger gern gesehen, wenn Sie Ihre Kirche nur hin und wieder aufsuchen. Menschen, die in die Kirche eingetreten sind, berichten immer von positiven Erfahrungen: Zum Beispiel, dass die Gottesdienste, die sie besuchten, oft so gar nicht dem Vorurteil von "Steifheit" und "Langeweile" entsprachen. Diese eine Stunde am Sonntagmorgen kann dazu beitragen, dass Menschen in der Hektik des Alltags wieder zur Besinnung kommen. Und wer hätte das nicht ab und an nötig?

In jeder evangelischen Kirchengemeinde gibt es darüber hinaus eine Reihe von Gruppen für Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Neigungen. Sie sind eingeladen, sich umzuschauen und dort mitzumachen, wo es Ihren Interessen und Begabungen entspricht und wo es Ihnen gefällt. Wie gesagt: eingeladen, nicht "moralisch verpflichtet". Es ist auch ganz problemlos, zum Beispiel eine Gruppe in einer anderen Gemeinde zu besuchen, die vielleicht besser zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen passt. Als evangelische Christen sind Sie zur Freiheit berufen.

An diese besondere "evangelische Freiheit" muss sich mancher erst gewöhnen. Sie ist ja nicht einfach Beliebigkeit. Sie ist Ausdruck der tief verwurzelten Erkenntnis, dass wir uns die Gnade Gottes nicht erst verdienen müssen. Sie ist da. Wir können auf sie bauen, im Leben und im Sterben. Das war die befreiende Erkenntnis der Reformation. Taten der Nächstenliebe sind wichtig. Aber nicht, um Gott gnädig zu stimmen, sondern als aktiver Ausdruck der Gnade und Liebe, die Gott uns schenkt. Damit die Liebe unser Zusammenleben berühren und verwandeln kann.

Die Kirche, jede Kirchengemeinde, ist ein Ort, wo Menschen akzeptiert und ernst genommen werden. Ein Ort der Vergewisserung über das, was mein Leben trägt und ihm Sinn gibt, ein Ort, wo man Menschen findet, an die man sich wenden kann - in guten und in schlechten Tagen. Und es ist ein Ort, wo Menschen gebraucht werden mit ihren Fähigkeiten und Begabungen, mit ihren Fragen und Unsicherheiten. Wer die Frage stellt: "Was habe ich davon, in der Kirche zu sein?" wird beim zweiten Nachdenken sagen können: Das ist nicht wenig.


Was
muss man tun,
um (wieder) in die Kirche aufgenommen zu werden?


Sie sollten mit jemandem sprechen. Mehrere Möglichkeiten bieten sich an.

»         Die erste: Rufen Sie Ihren Pastor an und verabreden Sie ein Gespräch.

»     Die zweite Möglichkeit: Die Evangelische Kirche von Westfalen (www.ekvw.de) vermittelt Ihnen einen Pfarrer oder eine Pfarrerin aus ihrer Nähe für ein erstes unverbindliches Gespräch. Dabei werden Ihre Wünsche berücksichtigt. In wenigen Tagen wird man Sie anrufen, damit Sie einen Termin vereinbaren können.

»        Eine dritte Möglichkeit wird in Zukunft sicher an Bedeutung gewinnen: Sie können zu einer Wiedereintrittsstelle gehen, in Bielefeld befindet sich die Kircheneintrittsstelle im Nicolaihaus, Altstädter Kirchstraße 12, 33602 Bielefeld. Die Öffnungszeiten sind Dienstag, 12:00 bis 14:00 Uhr und Donnerstag von 17:00 Bis 19:00 Uhr und nach telefonischer Absprache. Ansprechpartner ist Pfarrer Ulrich Wolf-Barnett, Fon: (05 21) 5 57 48 15, Fax: (05 21) 5 57 48 16, E-Mail: kircheneintritt@kirche-bielefeld.de.

Keine Angst, so ein Gespräch ist keine Glaubensprüfung. Wenn Sie früher einmal ausgetreten sind, müssen Sie dabei Ihre damalige Entscheidung auch nicht um jeden Preis rechtfertigen. Das erste Gespräch soll vielmehr Ihrer Beratung und Orientierung dienen. Ihre Fragen stehen im Mittelpunkt. Sie haben Gelegenheit, offen über Ihre Erfahrungen mit der Kirche zu sprechen - auch über negative Erfahrungen. Sie können fragen und selbstverständlich unbedrängt nach Hause gehen, um sich den Schritt zu überlegen.

Wenn Sie entschlossen sind, (wieder) zur Kirche gehören zu wollen, ist der Weg nicht kompliziert: Man wird Sie bitten, einen Antrag auf Aufnahme in die Evangelische Kirche zu unterschreiben. Wenn Sie noch nicht getauft sind, wird der Pastor oder die Pastorin alle Fragen, die mit Ihrer Taufe zu tun haben, ausführlich mit Ihnen besprechen. Die Erwachsenentaufe ist in dieser Kirche längst nichts Außergewöhnliches mehr. Denn als Mitglied jeder christlichen Kirche müssen Sie getauft sein.

Mit der Aufnahme verbunden ist die Einladung zum Gottesdienst und zur Teilnahmen und am Leben der Kirchengemeinde. Sie werden in einem öffentlich in die Gemeinde aufgenommen. Bei uns in Schildesche geschieht das in einem kleinen Rahmen vor zwei Zeugen.


Muss es denn unbedingt die Ortsgemeinde sein?

Im Prinzip ja. Aufnehmen wird Sie in der Regel das Presbyterium (der Gemeindevorstand) der Kirchengemeinde, in deren Bereich Sie wohnen. Vorgespräche, in denen Sie Ihre Fragen stellen und Ihre eigene Position klären, können Sie natürlich auch mit einem anderen Pfarrer oder einer anderen Pfarrerin führen. Da mag es ja vielleicht jemanden in Ihrem Bekanntenkreis geben.

Wenn Sie sich aber entschlossen haben, Mitglied der Kirche werden zu wollen, wird der Kontakt zur Gemeinde nötig. Das hat auch Sinn. Denn bei aller evangelischen Freiheit, die Angebote verschiedener Gemeinden zu nutzen, bietet das Prinzip der Ortsgemeinde eine gewisse "Grundbeheimatung", die man nicht gering schätzen sollte. Sie sollten nicht befürchten, dass man Sie dort, wo man Sie vielleicht als Nachbarn kennt, wegen Ihres Schrittes besonders "beäugt". Die Kirche und die Gemeinde freut sich über Menschen, die dazugehören wollen.

Wenn Sie allerdings eine besondere Bindung an eine andere als Ihre Wohnsitzgemeinde haben und die örtlichen Gegebenheiten es zulassen, dass Sie am kirchlichen Leben dieser Gemeinde teilnehmen, dann können Sie als Ausnahmeregelung die Mitgliedschaft in dieser Ihrer "Wunschkirchengemeinde" beantragen.



Und was kostet das?

Natürlich kostet der Eintritt in die Kirche nichts. Als Mitglied der Kirche werden Sie - sofern Sie Lohn- oder Einkommensteuer zahlen müssen - Kirchensteuer zahlen. Die beträgt neun Prozent der Lohn- bzw. Einkommensteuer und ist eigentlich ein Mitgliedsbeitrag, der auf die finanzielle Leistungskraft des einzelnen Rücksicht nimmt. Denn dass die Kirchen nicht ohne finanzielle Mittel in dieser Welt existieren können, das liegt auf der Hand. Was aber zum Beispiel die Evangelische Kirche von Westfalen mit dem Geld macht, das ihre Mitglieder ihr anvertrauen, darüber legt sie sorgfältig und öffentlich Rechenschaft ab. Darüber kann sich jeder informieren.